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Germanys Next Topmodel oder vielleicht doch „Willkommen in der Essstörung“? 

Seit Donnerstag kann man wieder einmal Heidi Klums „Mädchen“ über den Laufsteg schweben sehen oder sie bei verschiedenen Herausforderungen, erlangten Sonderaufträgen, beim Tränen vergießen und streiten beobachten. Dieses Jahr geht Germanys Next Topmodel in die elfte Runde. Diesmal wieder mit Heidi Klum und Thomas Hayo in der Jury. Wolfgang Joop ist dieses Jahr nicht dabei, dafür sitzt Michael Michalsky auf dem dritten Stuhl. 

Die Sendung bekommt jedes Jahr Presse. Manchmal auch nicht so gute. Vor einigen Jahren gab es Probleme mit Tierschützern, da beispielsweise Affen für Shootings eingesetzt wurden. Dann kam der Vorwurf auf, Germanys Next Topmodel würde durch das dargestellte Schönheitsideal gegen den Jugendschutz verstoßen und sich auf die Entstehung vom Essstörungen auswirken. Wow, das ist ein ernstzunehmender Vorwurf. 

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat dies geprüft und Stellung dazu genommen. Das Ergebnis: Germanys Next Topmodel verstößt nicht gegen den Jugendschutz. Der Beruf des Models geht mit einem zweifelhaften Schönheitsbild einher, die Sendung bildet lediglich die Realität ab. Nun, das klingt zwar plausibel, ändert  meiner Meinung nach aber nichts daran, dass Jugendliche im Fernsehen zu dünne Mädchen sehen und genauso sein möchten. Denn ob das Schönheitsbild nun von der Sendung selbst ausgeht oder eben die Abbildung des Modelberufs ist; Fakt ist wohl, dass die Jugendlichen hier ein fragwürdiges Schönheitsbild zu sehen bekommen.  

Doch wenn man in den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) schaut, wird man der KJM wohl trotzdem recht geben müssen. Denn Germanys Next Topmodel fällt in keine der in Paragraph 4 aufgelisteten unzulässigen Angebote. Das einzige Schlupfloch wäre wohl in Paragraph 4, Absatz 2 zu finden: „(…) sind Angebote ferner unzulässig wenn sie (…) offensichtlich geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit unter Berücksichtigung der besonderen Wirkungsform des Verbreitungsmediums schwer zu gefährden.“ 

Aber was ist schon eine schwere Gefährdung? Und steht Magersucht überhaupt der Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit im Weg? Ich persönlich würde das bejahen. Doch schwer gefährden tut die Sendung wohl nur die, die sowieso schon einen Hang in Richtung Essstörung haben. Für alle anderen bietet die Sendung einfach das, was sie ursprünglich auch wollte: Seichte Unterhaltung gepaart mit etwas Realität. 

Und dass die Sendung ihren Reiz hat, steht außer Frage. Ich selbst habe Germanys Next Topmodel auch zwei Staffeln lang geschaut. Nun tue ich dies aus Zeitgründen und weil ich die Sendung, gerade wegen der vermittelten Ideale, nicht unterstützen will, nicht mehr. Doch ganz klar: In weiten Teilen ist die Sendung einfach unterhaltsam und kurzweilig. 

Allen, die dieses Jahr wieder bei der Findung des besten Topmodels mitfiebern werden, wünsche ich viel Spaß – doch lasst uns trotzdem nicht die Teenie-Mädchen vergessen, die gerade dabei sind, sich und ihre Ideale zu finden und die sich durch die dort vermittelte Realität vielleicht eben doch stärker beeinflussen lassen als man denkt. Denn ganz weit hergeholt ist der Vorwurf gegen Germanys Next Topmodel wohl nicht. Andererseits müsste man bei einem Verbot der Sendung wohl auch einen großen Teil unserer Werbespots und Werbeplakate verbieten. Denn das aktuelle, und für die meisten unerreichbare, Schönheitsbild ist kein Problem welches nur Germanys Next Topmodel betrifft.

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