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Stille

Stille – irgendwie ironisch, den ersten Beitrag nach Monaten so zu nennen. Natürlich könnte Stille ein passendes Thema sein, nachdem eben diese hier herrschte. Aber jetzt bin ich wieder da und es ist vorbei mit der Stille hier auf meinem Blog.

Stille ist heutzutage ziemlich unpopulär. Unsere Gesellschaft ist eher laut, schnell und aufdringlich als leise, langsam und zurückhaltend. Erschreckenderweise stelle ich an mir selbst oft eine Unruhe fest.

Beispielsweise nach einem langen Arbeitstag. Die letzten Stunden waren von Anforderungen, Stress und einem hohen Geräuschpegel geprägt. Ich steige in den Bus, 20 Minuten Fahrt liegen vor mir. Eigentlich eine perfekte Gelegenheit, um einfach mal nichts zu tun. Genießen, dass keiner etwas von mir will; genießen, dass ich jetzt gerade überhaupt nichts tun muss und ich könnte die Stille genießen  (die im Bus wohl mal mehr und mal weniger vorhanden ist). Was aber tue ich? Handy raus, Internet an, erstmal checken, was die letzten Stunden so passiert ist. Als Nächstes: Kopfhörer raus und Musik rein.
Keine Frage, Musik kann super entspannen und beim Abschalten helfen. Nachrichten lesen und mit Freunden kommunizieren sind auch nichts Schlechtes. Aber wieso fühle ich mich untätig oder sogar irgendwie leer, wenn ich einfach nur so im Bus sitze?

Und dieses Beispiel lässt sich auf viele andere Situationen übertragen: Im Bus, auf dem Sofa und so weiter. Und ich bin fast sicher, dass das eben nicht nur mir so geht.
Unsere Gesellschaft ist von Unruhe geprägt. Überall läuft Musik, überall leuchten einem Werbetafeln entgegen. Schneller, höher, besser… Stille und Ruhe sind mit Faulheit, Untätigkeit und Gewinnverlust gleichgesetzt.

Dabei wird wohl jeder zustimmen, dass man sich nach etwas Ruhe deutlich produktiver fühlt. An dem Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“ ist schon etwas dran.
Ich habe festgestellt, dass mir eine halbe Stunde nur mit meiner Bibel oder auch mit einem Roman unheimlich gut tut. Und auch meine Zeit morgens in der Bibel gibt mir Kraft für den Tag (darauf werde ich demnächst aber nochmal gesondert eingehen).
Umso mehr stört es mich, wenn ich dann im Laufe des Tages geradezu vor der Stille weglaufe und das Gefühl habe, immer in Aktion sein zu müssen. Ich möchte die Kleinigkeiten des Tages und Zeiten der Ruhe mehr genießen. Vielleicht wäre ein kleiner Gebetsspaziergang auch mal wieder an der Zeit. Und auf jeden Fall möchte ich mein Handy öfter da lassen, wo es hingehört: in der Tasche – damit es mich nicht dann ablenkt, wenn ich eigentlich gerade mal keine Berieselung von außen brauchen könnte.
Die kleinen Pausen und Unterbrechungen des Tages sollen anstatt von Musik, Facebook und Co eher von Abschalten und von Besinnung, auf den, der mir Kraft gibt, geprägt sein. Und das ist dann auch keine Faulheit, Untätigkeit oder Gewinnverlust.

„Da kam ein Wind, groß und stark, der die Berge zerriss und die Felsen zerschmetterte vor dem Herrn her; der Herr war nicht in dem Wind. Und nach dem Wind ein Erbeben, der Herr aber war nicht in dem Erdbeben. Und nach dem Erdbeben ein Feuer, der Herr aber war nicht in dem Feuer. Und nach dem Feuer der Ton eines leisen Wehens.“ (1.Könige 19,11b-12).

Denn Gott ist eher in dem leisen Wehen oder Säuseln, als in dem lauten Wind oder Erdbeben.

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4 Kommentare zu „Stille

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