Geschichte · Glaube · Reformationstag

Zum Reformationstag: Hat das überhaupt etwas mit mir zutun?

Heute ist Reformationstag. Und heute ist wohl der erste Reformationstag, an dem ich diesen auch wirklich zu schätzen weiß. Klar, ich habe die volle Dröhnung Luther-Thematik damals im Religionsunterricht mitbekommen, habe den Lutherfilm mindestens zwei Mal gesehen und hätte wohl an keinem Punkt in meinem Leben gesagt, der 31.10. wäre unwichtig oder hätte ihn gar für Halloween gehalten. 

Aber ich war früher nicht besonders geschichtsinteressiert. Und ich bin freikirchlich. Somit dachte ich irgendwie immer, dass Luther definitiv das Richtige getan hat, gegen die katholische Kirche des 16.Jahrhundert mit Ablasshandel und Co aufzustehen und fand den Reformationstag immer eine gute Sache für die evangelische Kirche – aber mehr auch nicht. Und natürlich war ich Luther für seine Bibelübersetzung dankbar, natürlich fand ich das alles gut. Und das wars.

Dass aber in dieser Zeit damals der ursprünglich christliche Glaube, die Errettung durch Gnade und die Zugänglichkeit dessen auch für das gemeine Volk, tatsächlich fast vollständig verloren gegangen war; dass jeder der andere Ansichten als der Papst und die Kirche hatte und diese öffentlich vertrat, wegen Ketzerei oder Häresie angeklagt und oftmals getötet (ergo verbrannt) wurde… Das war mir bis vor Kurzem nicht wirklich vollumfassend klar gewesen. Auch dass Luther nicht alleine dastand, sondern es viele weitere Reformatoren und Menschen gab, die für das Richtige aufstanden und ihr Leben teils dafür ließen – das wurde mir erst jetzt so wirklich klar. 

In meiner Schulzeit fand ich Geschichte ziemlich ätzend und ich weiß, dass mein pubertierendes Ich die Augen verdrehen würde, angesichts dessen, dass sich das mittlerweile geändert hat. Aber besser spät als nie. 

Jetzt bin ich einfach nur dankbar, dass Gott damals Menschen gebrauchte, um das System zu durchbrechen – und dass es Menschen  gab, die sich gebrauchen ließen, obwohl das alles Andere als bequem und leicht war. Und es erinnert mich daran, dass ich mehr für das aufstehen sollte, was ich glaube und für richtig halte – denn schließlich droht mir nicht der Tod dafür, allerhöchstens ein paar schräge Blicke. Und dass sich das hier in Deutschland so verhält, ist auch im 21.Jahrhundert keine Selbstverständlichkeit. Schließlich gibt es auch heute viele Christen, die genau dieses Vorrecht nicht haben. 
Fun fact zum Schluss: Den Anstoß, mich nochmal näher mit den politischen und religiösen Strömungen des 16. Jahrhunderts zu beschäftigen, gab mir eine TV-Serie. Auch sowas ist möglich.

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7 Kommentare zu „Zum Reformationstag: Hat das überhaupt etwas mit mir zutun?

  1. Schön geschrieben.

    Mir ging es ähnlich. In der Schule habe ich in Religion das Thema Luther und Reformation durchgenommen, Und obwohl mein damaliger Lehrer die Thematik wirklich gut erklärt und ansichtlich dargestellt hat, habe ich die wahre Bedeutung von Luthers Tun auch erst später erkannt.

    Es ist nie zu spät für das einzustehen, woran man glaubt! Man muss sich nur trauen.

    Frage zu Schluss: Welche Serie hat Dich inspiriert, um Dich mit der Themaitik auseinander zu setzen?

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    1. Danke! Ich glaub tatsächlich, dass das vielen so geht… Das Alter indem man das Thema in der Schule behandelt, ist nicht gerade eins, wo man Geschichte cool oder relevant findet (war zumindest in meiner Klasse damals so:) )

      Die Serie war „Tudors“, da geht es um das englische Königshaus, eben auch zur Zeit der Reformation. Das ist nicht das Hauptthema, aber es werden Auswirkungen gezeigt, zum Beispiel eben Bestrafung derer, die die Lehren Luthers verbreiten.

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Racheles,
    vielen Dank für deine Gedanken bzgl. den Reformationstag.
    Es macht mich so traurig, dass dieser besondere Tag immer mehr in den Hintergrund rückt. „Reformationstag, was ist das?“ „Martin Luther? Wer war das?“

    Dabei ist dieser , vor allem für uns evangelischen Christen, so unglaublich wichtig. Ich wünsche mir so sehr, dass die Menschen wieder auf diesen Tag aufmerksam werden.

    Nächstes Jahr ist ja großes „Martin-Luther-Jahr“, darauf freue ich mich schon! 🙂

    Gefällt 1 Person

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