Bibel · Glaube · gott · Leben

Die Sache mit dem Bibel lesen… [Erfahrungen und Tipps]

Wir hatten nicht immer ein einfaches Verhältnis, das Bibel lesen und ich. Als Kind und Jugendliche hatte ich immer einen Bibelleseplan mit Andachten und habe morgens vor der Schule darin gelesen und „stille Zeit“ gemacht (Stille Zeit ist ein häufig verwendeter Begriff für Bibellesen und Gebet, deshalb werde ich ihn hier ebenfalls verwenden). Auch während der Ausbildung hat das gut geklappt. Meine Mitbewohnerin und ich haben immer zur selben Zeit in der Bibel gelesen und wer zuerst fertig war, hat dann Kaffee fürs Frühstück gemacht. Und irgendwann in meinen ersten Arbeitsjahren habe ich gemerkt, dass der Bibelleseplan nicht mehr zu mir passt. Ich hatte andere Themen, die mich beschäftigt haben, als früher und habe gemerkt: Meine stille Zeit muss sich da anpassen. Den Plan habe ich also beiseite gelegt. Das wäre auch kein Problem gewesen, wenn ich eine andere Idee gehabt hätte. Hatte ich aber nicht. Und so versumpfte das Bibel lesen eine Weile ziemlich. 

Mehrmals habe ich mir vorgenommen, jeden Tag ein bis zwei Kapitel in der Bibel zu lesen. Ein guter Plan, jedoch hatte ich dem ganzen Ding keinen festen Rahmen gegeben. Morgens vor der Arbeit erschien mir, aufgrund der teilweise sehr frühen Dienstbeginne, nicht geschickt. Also nahm ich mir vor, das irgendwann zwischen Feierabend und dem Schlafen zu machen. Irgendwann ist meistens „heute nicht“. Und so gab es viele Tage, an denen ich das ganz vergessen habe.

Ich war in dieser Zeit nicht ungläubig oder so etwas. Ich glaubte weiter fest an Gott, ging in den Gottesdienst, betete regelmäßig und hatte weiterhin eine Beziehung zu Gott. Das war alles okay. Was nicht okay war, war dass ich zu wenig Bibel las und auch meine Beziehung zu Gott nicht regelmäßig weiterpflegte. Das wusste ich und wollte ich ändern, ging es immer wieder an – und schaffte es oft nicht so wirklich oder nur kurzzeitig 😕.


In dieser Hinsicht verändernd war für mich eine Konferenz, die ich vor ein paar Jahren besuchte. Es war einfach eine sehr gesegnete Zeit, nach der ich fest entschlossen war, dieses unregelmäßige  Bibel lesen jetzt endgültig der Vergangenheit angehören würde. Unter anderem war genau das Thema „regelmäßiges Bibellesen“ thematisiert worden. Da ich wieder morgens Bibel lesen wollte, stellte ich meinen Wecker von da an etwas früher. Ich überlegte mir, dass ich parallel ein Kommentar lesen wollte und fing mit Matthäus an. Ich blieb dabei und merkte schnell, wie sehr mich diese morgendliche Zeit segnet und voran bringt.

Hier einige Erfahrungen und Tipps dafür: 

  1. Mache dir bewusst, was für ein großes Vorrecht es ist, mit Gott reden, in seinem Wort lesen und Zeit mit ihm verbringen zu dürfen. Ich stelle mir an dieser manchmal vor, wie ich in einen prächtigen Thronsaal eintreten darf. Denn so ähnlich ist das. Der Schöpfer des Universums ist daran interessiert, Zeit mit dir zu verbringen und hat dir etwas zu sagen. Diese Möglichkeit sollte nicht vertan werden. 
  2. Als Christen haben wir den Auftrag, in Jesus zu bleiben (einen Beitrag dazu gibt es auch hier). Und Zeit in der Bibel und Gespräch mit ihm, sind dazu einfach wirklich wichtig. Wer Zeit mit Gott und der Bibel verbringt, wird das im alltäglichen Leben merken. 
  3. Einmal sagte ein Prediger: „Wenn du morgens aus dem Haus gegangen bist, ohne in der Bibel zu lesen und gebetet zu haben, dann sage einfach ‚määääh‘. Denn du bist wie ein Schaf mitten unter Wölfen.“ Ich finde das eigentlich ziemlich aussagekräftig. Mit den Wölfen sind hier übrigens nicht die anderen Menschen gemeint, sondern eher geistliche, herausfordernde Situationen und Angriffe. Es tut gut, den neuen Tag mit Gott zu beginnen und sich neu auf das wirklich wichtige auszurichten. Meine stille Zeit gibt dem Tag eine ganz andere Qualität. Deshalb mache ich meine stille Zeit mit Bibel lesen mittlerweile morgens und empfehle das auch gern so weiter. Eine Freundin von mir hat aber abends eher den Kopf dafür. Sie liest morgens trotzdem immer einen Bibelvers und betet – das kann eine gute Alternative sein, wenn du morgens keine stille Zeit unterbringst und trotzdem kein Schaf sein willst😉.
  4. Mache eine Gewohnheit aus deiner Zeit mit Gott. Am Anfang ist man enthusiastisch und alles fällt leicht. Die Gefahr ist, mit dem Bibel lesen aufzuhören, wenn der Enthusiasmus nachlässt oder die ersten Schwierigkeiten im Alltag kommen. Doch gerade dann ist dranbleiben wichtig. Und wenn man dranbleibt, kann sich eine Gewohnheit entwickeln. Ich habe ehrlich gesagt auch nicht jeden Morgen Lust, meine Bibel aufzuschlagen. Aber ich tue es auch an solchen Tagen aus Gewohnheit und werde gerade an solchen Tagen dann oft ganz unerwartet dadurch gesegnet. Such dir eine feste Zeit am Tag und bleib dran!
  5. Überleg dir eine Art und Weise, wie du Bibel lesen magst. Es gibt da kein richtig oder falsch, aber es ist gut, wenn du etwas findest, womit dir deine stille Zeit wirklich Spaß macht. Ich persönlich lese gern Vers für Vers und vertiefe mich da manchmal ziemlich in Kommentaren, Sprachschlüssel, dem geschichtlichen und biblischen Hintergrund und mache mir Notizen. Aber das ist meine Art und die wird nicht jedem gefallen. Egal ob einfach Kapitel für Kapitel lesen, ob mit Andachtsbuch oder nicht, ob mit Notizen oder ohne: Hauptsache du liest die Bibel und verbringst Zeit mit deinem Gott. Die Bibel ist unglaublich spannend und hat viel zu sagen- suche dir deinen Weg, sie zu entdecken! 
  6. Werde innerlich wirklich leise. Konzentriere dich auf Gott und sein Wort, lege ablenkendes zur Seite – und leg los!

    Advertisements

    23 Kommentare zu „Die Sache mit dem Bibel lesen… [Erfahrungen und Tipps]

    1. Wahnsinnig bereichernder Text!! Vielen Dank! Ich finde es ja schwer zu sagen, dass man Bibel „liest“. Für mich zumindest. Weil es immer so den Anschein erweckt, dass es wie „jedes andere Buch“ auch zu lesen istm und das trifft auf keinen Fall zu. In vielen Hinsichten. Deswegen rede ich immer vom „Bibel studieren“, weil ich für mich sagen kann, dass es das besser auf den Punkt bringt 😁😊

      Gefällt 1 Person

    2. Danke! Dieser Text trifft es mal wieder voll auf den Punkt…. ich bin seit fast 1 1/2 Jahren total am schwimmen was dieses Thema angeht und finde nur schwer wieder in weinen Rhythmus der zu mir und meinem Alltag passt. Ich war in meiner Ausbildung (Marburger Bibel Seminar) einfach echt verwöhnt mit vielen Zeiten am Tag in denen ich mich freiwillig, aber auch gezwungener Maßen mit der Bibel auseinandersetzen musste und seit ich arbeite und unter anderem als Jugendreferentin in einer Gemeinde arbeite ist es oft nur noch die Vorbereitung eines Themas die als Bibellesezeit dient….
      Mal schauen ich wie aber dein Text hat mich motiviert es noch mal neu anzugehen 😉

      Gefällt 1 Person

    3. Klasse, kann ich nur bestätigen – Jos. 1:laß dieses Buch des Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, auf daß du haltest und tust allerdinge nach dem, was darin geschrieben steht. Alsdann wird es dir gelingen in allem, was du tust, und wirst weise handeln können. 9 Siehe, ich habe dir geboten, daß du getrost und freudig seist. Laß dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.

      Gefällt 1 Person

    4. Ein schöner Beitrag! Ich habe es mir mittlerweile auch zur Gewohnheit werden lassen, morgens und Abends in der Bibel zu lesen. Mit dem Ziel, die Bibel einmal im Jahr durchzulesen (das sind so 3-4 Kapitel am Tag) gibt noch einen zusätzlichen Reiz und man sitzt länger und öfter am Wort Gottes.
      Der Satz der mir am meisten gefällt ist Punkt 6: „lege alles ablenkende zur Seite“- in der Stille mit Gott kann ich besser hören, was er mir zu sagen hat.

      Gefällt 2 Personen

    5. Mein erster Gedanke: Schöööön geschrieben!
      Vielen Dank!!!

      Jaja, der Alltag bringt uns schon mal an die Grenzen, so dass manchmal gute Gewohnheiten einschlafen wollen. Dann ist es wichtig, diese guten Gewohnheiten zurück zu erkämpfen: tägliches Bibellesen (wie von Rachele beschrieben vielleicht auch morgens und abends), Gebet, regelmäßige zusätzliche christlche Lektüre / Predigten im Internet hören, Gottesdienstbesuche, etc.
      Gut, immer mal innezuhalten und sich zu überlegen, wo man womöglich noch mal den einen oder anderen guten Bereich wieder verstärken kann und wo man im Gegenzug eigentlich noch Zeit einsparen könnte. Es lohnt sich! LG!

      Gefällt 1 Person

      1. Vielen Dank für das Kommentar, du Liebe 😊😊 ja, der Alltag ist echt so ein Stille-Killer – da muss man echt vorsorgen um „einschlafen“ zu vermeiden.
        Predigten höre ich tatsächlich manchmal auf dem Weg zur Arbeit und das kann echt gut tun 😊
        Liebe Grüße! 😘

        Gefällt 1 Person

    6. Für mich ist es so, dass Bibellesepläne mir einfach nicht gut getan haben. Ich habe dann irgendwann ganz mit dem Bibellesen aufgehört. Dann entdeckte ich das Buch von Anders-Petter Sjödin „Verwandelt in Gottes Nähe“. Daraufhin begann ich ganz neu in der Bibel zu lesen, eine Zeitlang beschäftigte ich mich eine ganze Woche lang mit dem Predigttext des vorangegangenen Sonntags. Ich staunte, wieviel in einem solchen Text noch über die gehörte Predigt hinaus steckte. Dann entdeckte ich das Buch von John Eldredge „Du sprichst zu meinem Herzen“. Das hat mir Mut gemacht, Gott zu fragen, was ich lesen soll – und ich wurde sooo reich beschenkt.

      Ich finde es schwierig, zu sagen, „man muss als Christ“ in der Bibel lesen (und andere Dinge). Mich begeistert es zunehmend, ich lese nun seit einigen Jahren fast jeden Morgen (für mich ist auch der frühe Morgen die beste Zeit) in der Bibel – wie vorher schon geschrieben ist Lesen gar nicht so der richtige Ausdruck dafür. Es begeistert mich – ich möchte nie mehr ohne Gottes Reden sein, das ja auch über die Bibel hinaus (aber nie ihr entgegengesetzt) geschieht. An manchen Tagen lese ich nicht … und das ist auch okay so. Gott ist mir immer nah – und ich glaube, er ist nicht daran interessiert, dass ich ein Ritual pflege um des Rituals willen, sondern dass ich seine Nähe suche – und das geht nicht nur über das Lesen seines Wortes.

      Gefällt 1 Person

      1. Danke für deinen Kommentar! Schön, dass du da einen Weg gefunden hast, der zu dir passt 😊 ich lese auch nicht mehr mit Bibelleseplänen, aber da muss einfach jeder das seine finden.
        Und nein, wir „müssen“ natürlich keine Bibel lesen- besonders nicht, wenn es aus leeren Ritualen ist oder um sich etwas zu erarbeiten (was ja auch gar nicht möglich ist).
        Trotzdem denke ich, dass es sehr wichtig ist, in der Bibel zu lesen und sie zu kennen, gerade auch um zu erkennen, ob etwas außerbiblisches tatsächlich Gottes Reden ist und ob es nicht gegen die Bibel spricht.
        Aber aus dem täglichen Bibel lesen oder studieren ein Gesetz zu machen, wäre natürlich falsch und sinnlos. Von Gesetzen hat Jesus uns schließlich befreit 😊 Ich habe nur festgestellt, dass ich gerade an Tagen, an denen ich eigentlich keine Lust darauf hatte, oft im Nachhinein sehr dankbar für das Gelesene war 😊
        Liebe Grüße!

        Gefällt mir

    7. Danke für deine Ermutigung und die schönen Worte. Mein Vorsatz für dieses Jahr, ist es mehr in der Bibel zu lesen. Da passt dein ermutigender Text, der Lust zum Lesen macht sehr gut. Täglich werde ich es wohl noch nicht schaffen. Da bleibt mir dann wohl nur das mäen 😉 oder die Hoffnung, dass das Morgen Gebet mich für den Tag stärkt. Aber auf alle Fälle möchte ich mehr in der Bibel lesen:-) ich habe vor kurzem auch mit Bibel Art Jornaling angefangen. Das ist für mich eine sehr schöne Methode der Beschäftigung mit Gottes Wort und ein Weg, Gelesenes zu vertiefen und tiefer, besser verstehen zu lernen.

      Liebe Grüße
      Sarah

      Gefällt 1 Person

      1. Vom bibel art journaling hab ich schon einiges gelesen- cool, dass du da eine Art des Bibellesens für dich gefunden hast! 😊
        Freut mich, wenn der Text dich ermutigt hat! Viel Segen für deinen Vorsatz, das lohnt sich auf jeden Fall 😊😊 Ein Morgengebet ist ja mal definitiv besser als kein Gebet; da kannst du das mit dem mäen ruhig lassen 😉 im Endeffekt kommt es ja nicht darauf an, ob man 4 Kapitel oder einen Vers gelesen hat oder ewig lang oder nur kurz gebetet hat. Sondern, dass man sich auf Gott ausrichtet und ihn besser kennen lernen möchte 😊liebe Grüße! 😊

        Gefällt 1 Person

    8. Oh, kalt erwischt. Bei mir ist das Bibellesen gerade auch etwas in den Hintergrund gerückt. Gerade jetzt, wo es mir nicht gut geht, wo ich in einem Depressionsloch sitze, lasse ich es schleifen. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren, keinen Gedanken fassen – da habe ich es schleifen lassen. Nicht gut.
      Danke für den Beitrag.

      Gefällt mir

      1. Situationen in denen man das schleifen lässt, können immer mal auftauchen- Hauptsache, es bleibt nicht dauerhaft dabei 😉 wünsche dir viel Kraft beim Wieder beginnen und auch insgesamt für deine Situation!! Sei gesegnet 😊

        Gefällt mir

    9. Wie gehst du an Abschnitte der Bibel ran, die schwer zu lesen sind?

      Ich hatte mich mal daran gemacht Mose von vorne bis hinten durchzulesen. Manche Abschnitte gehen gut (Noah und die ganzen bekannten) aber bei manchen wird ja einfach nur ein Tieropfer nach dem anderen aufgelistet. Schwer. Oder wer wen gezeugt hat. Oder die Chroniken bzw. Könige, sicher spannend wenn man sich in der antiken Geschichte auskennt oder wenigstens die Geografie kennt. Aber ohne das einfach anstrengend.

      Wie gehst du an die ran?

      Gefällt 1 Person

      1. Oh ja, gerade im alten Testament gibt es echt viele solcher Stellen. Gerade Geschlechtsregister können echt ätzend zu lesen sein und ganz ehrlich, manchmal lese ich über solche Stellen drüber und gut ist. Aber wenn ich mich näher damit beschäftigt habe, gab es auch immer was interessantes, lohnen tut es sich also. Was mir beim Umgang mit schwierigen Stellen, zu denen ich so gar keinen Zugang finde, hilft, sind Kommentare von Theologen. Das sind zwar auch nur Menschen und man muss trotzdem noch schauen, ob sich deren Interpretation wirklich mit dem biblischen Text deckt, aber mir bietet das auf jeden Fall einen besseren Zugang zum Text. Gerade weil diese Kommentatoren ja oft auch noch den größeren Zusammenhang, Geografie und Geschichte, Kontext etc miteinbeziehen und kennen, wozu ich beim „alltäglichen“ Bibellesen nicht unbedingt die Zeit und Möglichkeit habe. Ich lese gern die Kommentare von David Guzik, die gibts auf englisch sogar kostenlos im Internet. Zum einen deckt sich seine theologische Sicht oft mit meiner (natürlich nicht immer😉) und zum anderen bezieht er auch viele andere Theologen ein; gerade bei schwierigen Stellen zeigt er oft verschiedenste Auslegungen auf, bevor er zu „seinem“ Schluss kommt. Das finde ich ganz hilfreich. 😊
        Zusätzlich habe ich mir noch das überarbeitete Lexikon zur Bibel zugelegt, das bietet zwar nicht direkt Infos zu Textstellen, aber thematisch findet man da einiges zu Geografie und Geschichte. 😊
        Wie handhabst du das?
        Liebe Grüße 😊

        Gefällt mir

        1. Meine Frau ging in die eine Zeit lang. Und ich bin hin und wieder als Gast hin, weil Roland hat da einfach ein Talent zu predigen. Und nachdem er in einer Predigt meinte, man müsse Gäste einmal offensiver ansprechen, wurde ich von ihr angesprochen. 😀

          Gefällt 1 Person

    Kommentar verfassen

    Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

    WordPress.com-Logo

    Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

    Twitter-Bild

    Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

    Facebook-Foto

    Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

    Google+ Foto

    Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

    Verbinde mit %s