Blogparade · Christsein · Glaube

[Blogparade] Christliche Erziehung heute – wie war das eigentlich bei mir? 

Familienleben mit Gott“ hat zu einer Blogparade zum Thema „Christliche Erziehung heute“ aufgerufen. Deshalb wird es heute um meine eigene christliche Erziehung gehen – das ist zwar schon ein paar Jährchen her, doch trotzdem noch aktuell genug, um es unter „Erziehung heute“ laufen zu lassen. 

Meine Erfahrung

Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Im christlichen Jargon bedeutet das, dass meine Eltern überzeugte und praktizierende Christen waren (und auch noch sind). Dürfte ich mir nur eine einzige Sache raussuchen, für die ich meinen Eltern dankbar wäre, dann wäre das definitiv, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben, im christlichen Glauben aufzuwachsen. 

Als Kind hieß das erstmal: Gemeinde, Kindergottesdienst, beten vor dem Essen, und dem Schlafen, biblische Geschichten und so weiter. Und als kleines Kind gibt das einfach eine Sicherheit und irgendwie ein Grundvertrauen zu Gott. Das ist übrigens nicht nur meine Meinung, sondern auch in der Psychologie wird Religion als ein wichtiger Faktor für den Erwerb von Resilienz, also psychischer Widerstandsfähigkeit, gesehen. Da ist, außer den Eltern, der Familie und den Freunden, jemand, der mich liebt und für mich da ist. Das ist ja erstmal die Grundbotschaft. Im Laufe der Jahre und mit steigend anspruchsvolleren Geschichten und Themen, differenziert sich das dann natürlich nochmal.

Als ich älter wurde, ermutigten meine Eltern mich dann, auch selbst in der Bibel zu lesen. Das ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Punkt: Kinder zur Selbstständigkeit im Glauben ermutigen. Gott hat nun mal keine Enkel und die beste christliche Erziehung hätte mir nichts gebracht, wenn das nicht in einen eigenständigen Glauben und in eine Beziehung zu Gott gemündet wäre. Da meine Eltern selbst regelmäßig in der Bibel lasen, habe ich recht früh auch damit angefangen. Wirklich mit Herz habe ich es aber erst getan, als ich mich selbst für den Glauben entschieden habe und es nicht mehr nur der Familienglaube war, sondern es um meine Beziehung zu Gott ging. Zu diesem eigenständigen Glauben können Kinder natürlich auch nein sagen – Entscheidungen bringen immer auch die Freiheit mit, sich gegen etwas zu entscheiden. Ich weiß nicht genau, wie meine Eltern reagiert hätten, wenn ich mich gegen den Glauben an Jesus entschieden hätte. Ich bin mir aber sicher, dass sie christliche Rituale in der Familie trotzdem beibehalten hätten und mich ermutigt hätten, zum Beispiel mit in den Gottesdienst zu kommen. Gezwungen hätten sie mich ziemlich sicher zu nichts, da ich in meiner gesamten Kindheit bezüglich des Glaubens, nie zu irgendwas „gezwungen“ wurde. 

Als mein Glaube selbstständig wurde, über biblische Geschichten und ein Gebet vor dem Essen und dem Schlafen herauswuchs, und ich dann auch noch mitten in der Pubertät steckte, da kamen zunehmend Fragen und Zweifel auf. Das ist aber okay und muss wahrscheinlich auch so sein. Ich würde mein Leben nicht gern auf etwas gründen, was ich nicht gut durchleuchtet und hinterfragt habe (Dazu habe ich kürzlich bereits einen Beitrag geschrieben). Aber diese Fragen oder Zweifel, ja manchmal auch Kämpfe, die waren nicht untersagt bei mir Zuhause. Ich durfte sie äußern und man hat dann darüber geredet. Wäre dies ein Tabuthema gewesen, hätte mich das sicherlich frustriert.

Irgendwann kam dann die Zeit, in der ich auch auf christliche Freizeiten fuhr, christliche Musik kennenlernte, die zur Jugend meiner Eltern ziemlich sicher niemals in einem Gottesdienst gespielt worden wäre und feststellte: Es gibt unterschiedliche Arten, den Glauben zu leben. Für meine Eltern war da einiges sicher befremdlich und anders, aber irgendwie gehört es zu einem selbstständigen Glauben ja auch dazu, selbst zu schauen: Wo stehe ich? Wie mache ich das? Und für meine Eltern war es bestimmt nicht einfach, als ich mich irgendwann entschieden habe, in eine andere Gemeinde zu gehen, wie sie. Aber sie haben mich davon nicht abgehalten. 

Was ich daraus mitnehme

Rückblickend war der wichtigste Aspekt, dass ich anfangs an „die Hand genommen wurde“ und dass ich die Möglichkeit und Freiheit hatte, meinen Glauben langsam immer mehr und mehr selbstständig zu leben. Das hat mir sicherlich geholfen. Denn bei allen Vorzügen einer christlichen Erziehung, sehe ich die Gefahr, dass der eigene Glauben in den Kinderschuhen stecken bleiben kann und nicht wirklich erwachsen wird. In einer christlichen Familie kann man gut mitlaufen ohne wirklich geistlich selbstständig zu werden.

Insgesamt kann natürlich niemand zum Glauben gezwungen werden; Eltern können prägen, begleiten, ermutigen und natürlich beten. Einen liebevoll authentisch und praktisch vorgelebten Glauben habe ich als hilfreich und sicherlich auch mitentscheidend empfunden. Doch entscheiden muss sich schlussendlich jeder selbst. Ich glaube übrigens, dass Entscheidungen gegen den Glauben im Jugendalter, oft auch aus einem generellen Drang, alles anders als die Eltern machen zu wollen, entstehen. Die Werte und Prägung aus der Kindheit bleiben trotzdem bestehen und oft ändert sich die Einstellung dazu später nochmals. Ich denke, beten ist in so einem Fall definitiv das stärkste und effektivste Werkzeug. Wir haben einen starken Gott, bei dem Hoffnungslosigkeit keine Macht hat.

Fazit 

Ich mag keine krasse Vergangenheit haben, kann keine spektakuläre Bekehrungsgeschichte erzählen; für Jesus habe ich mich zuhause im Wohnzimmer entschieden. Aber ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich von Beginn an, mit Gott und der Bibel in Berührung kam. 

Im Endeffekt gibt es die perfekte Erziehung nicht, auch nicht im christlichen Bereich. Natürlich haben meine Eltern auch Fehler gemacht, alle Eltern tun das. Ich merke auch an mir selbst, in meiner täglichen pädagogischen Arbeit, dass mir viele Fehler unterlaufen. Und dazu kommt noch, dass die Erziehung so individuell ist, wie das dazugehörige Kind. Es mag Tipps und Anhaltspunkte geben, wie beispielsweise Authentizität, aber den Masterplan, der immer und in jedem Fall funktioniert, den gibt es nicht. 

HERR, wie kann ein junger Mensch leben, ohne sich dabei schuldig zu machen? Indem er sich nach deinem Wort richtet. – Psalm 119,9

Schaut gern auch noch bei „Familienleben mit Gott“ vorbei – und wer mag, darf natürlich gerne auch noch einen Beitrag zu dem Thema „Christliche Erziehung heute“ schreiben!

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10 Kommentare zu „[Blogparade] Christliche Erziehung heute – wie war das eigentlich bei mir? 

  1. Klasse, dein Beitrag! Ich finde ihn sehr bereichernd und freue mich schon darauf, alle Artikel vorzustellen… Ich hatte übrigens auch kein spannendes Bekehrungserlebnis. Obwohl ich eine Zeit hatte, in der ich bewusst ohne Gott gelebt habe, gab es nicht „den“ Wendepunkt, sondern eine Entwicklung. Alles ist möglich 🙂 Toll zu lesen, dass die Erziehung deiner Eltern so segensreich war…
    Danke und liebe Grüße, Martha

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  2. Hallo, der Artikel freut mich sehr. Bei Dir ist es ziemlich optimal verlaufen, wirklich ein Grund zur Dankbarkeit. Ich wünschte, dass dies noch viel, viel öfter so bei Kindern der Fall sein würde. Denn wenn man zu Hause ohne Gott, Bibel und Gottesdienst aufwächst, weiß man auch oft später nichts mit ihm „anzufangen“, selbst wenn man eigentlich nichts gegen ihn hat. Gott möchte uns aber in allen Dingen begleiten und täglich Gemeinschaft mit uns haben. Welche Stärkung und Motivation zum Guten ist doch das Wissen um seine Gegenwart!
    Herzlichen Gruß, viel Weisheit auch für Deine Erziehungsaufgaben! 🙂

    Gefällt 2 Personen

  3. Für Eltern ist es eine große Freude, wenn die Kinder den Weg mit Jesus gehen.
    Ich selber (Gisela) habe es auch als Vorrecht und Geschenk erlebt, in einen Christlichen Elternhaus aufzuwachsen.

    Gefällt 1 Person

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